Kunst und Psyche

 

Die psychische Kunst in der therapeutischen Praxis der Entwicklung der Persoenlichkeit.
Therapie ist hier in ihrer Bedeutung zu verstehen als Pflege.
Die psychische Kunst ist die Kunst, die in jedem von uns wohnt.


Psyche aus dem Griechischen: psychè = innerer Hauch. Einige lateinischen Quellen haben diesen inneren Hauch definiert als Seele.
Seele und Koerper stehen in einem engem Dialog. Eine gute psychische und physische Gesundheit erreicht man auch durch das Anhoeren des Dialoges zwischen Seele und Koerper.
In einem Ablauf der Entwicklung der Persoenlichkeit, in der Erforschung der tiefgehenden Gruende, welche verschiedene Missbehagen hervorrufen, kann uns die psychische Kunst helfen mittels der Dekodifikation der objektiven Symbologie, in der sich diese ausdrueckt.
Die Grundlage ist maeeutisch, sokratische Methodologie, den Ansprechpartner in die Lage zu setzen, klares Bewusstsein ueber seine Kenntnisse und Gedanken zu erlangen, und hat erzieherische Wertigkeit, in dem Sinne die inneren Leistungsfaehigkeiten und Ressourcen herauszuholen.
Als Kunst verstehe ich persoenlich "ordnen", wie die lateinische Definition ars, oder vielmehr, aus dem Chaos eine Ordnung schoepfen, welche Harmonie und somit Schoenheit schafft.
Die psychische Kunst auf die ich mich beziehe, ist die Entwicklung der Forschungen von Pyare Lal Bedi ueber die Vibrations-Techniken, und folgt dem anfaenglichen Protokoll der Entspannung und der inneren Stille, um durch die fuenf Sinne freie Emotionen und Begriffe verinnerlichen zu koennen, und sodann die Bewegung durch Tanz und den Klang durch Gesang auszudruecken, indem man so zum Resonanzkasten wird auch fuer die Farben, die Gegenstaende der Natur ... der Klang der Sphaeren.

Diesbezueglich behauptet Marius Schneider, dass: "... Klang und Licht stehen, einer mit dem anderen, in derselben Beziehung wie Wort und Bewusstsein (...). Die Macht des vibrierenden Klanges scheint sich jedoch auf das zu beschraenken, was zum Vibrieren empfaenglich ist und da diese Faehigkeit beim modernen Menschen in erschreckendem Ausmass verloren gegangen ist, befindet sich dieser verstaendlicherweise in Gegenwart dieser Dinge in einem Zustand von Unglaeubigkeit und Verlorenheit. (...) Da aber der Klang die urspruengliche Substanz aller Dinge ist, kann sich die Vibrationstheorie nicht ausschliesslich auf den akustischen Bereich limitieren, sondern muss die Basis liefern, um alle gegenseitigen Verhaeltnisse zu erklaeren. (...). In ihrer Essenz ist die menschliche Gesellschaft eine Polyphonie.

Durch das Theater hingegen lernen wir die Kunst der Dramatisierung oder vielmehr das zu sein, was man nicht ist, in dem Sinne, dass der Seelenzustand, den ich interpretiere, nicht der meine ist, nicht ich bin es, der das Objekt interpretiert, sondern ich verinnerliche das Objekt, damit sich dieses durch meinen Koerper ausdruecken kann. Ich finde dies auch in den Absichten von Giorgio Strehler in den "Lektionen an Claudia" wieder, wo er sie darauf hinweist, dass, anstelle dass sie zu der Rolle hinaufsteigt, sie die Rolle zu Claudia heruntergezogen hat, und fuegt hinzu "gerade deshalb ist es, dass die Emotion der Rolle nicht das Proszenium ueberschreitet."

Die psychischeKunst, von der ich spreche, ist nicht Theater-Schule. Diese Bemerkung von Strehler gibt mir zu verstehen, dass, um "zur Rolle hinaufzusteigen", auch eine Theater-Schule notwendig ist, welche sich nicht nur auf den psychischen Ausdruck beschraenken kann.

Die Kenntnis der psychischen Kunst kann es mir erleichtern, in die "Vibrationskraft" einer Emotion "einzusteigen", um diese vollstaendig auszudruecken.

Durch das Schreiben hingegen entdecken wir die Poesie und Prosa, die in uns ist.

Bibliographie:
Psychische Kunst als Therapie, F. Valsecchi und A. Tomassini, Verleger L'Ariete, Bibliothek Unicef
Das Bewusstsein Auge der Seele, Baba Bedi, Verleger Zanfi
Die Philosophie von Baba Bedi, Albana Tommasini, Verleger Psiche1
Die Sprache des Bewusstseins, F. Alleva und C. Ruffinengo, Verleger Psiche2

*) aus - Die Bedeutung der Musik - 1990, Rusconi - M. Schneider (1903-1982), Dozent in Musikwissenschaft und Ethno-Musikwissenschaft an den Universiaeten von Koeln und Amsterdam.